VISION

Beat Stirnemann, Paul Strahm , Caroline Bisang, Willa Cartwright (v.l.)

Jürg Nutz

Christiane Voth (l.), Monique Bircher

Ernst Buchmüller

queerAltern an der Zurich Pride 2019

Beatrice, Jürg

Vision

Januar 2016: Der Vorstand beschliesst, sich nicht mehr «nur» auf die Immobiliensuche zu konzentrieren, sondern auch Veranstaltungen zu organisieren. Damit sich die Mitglieder samt Freund*innen kennenlernen und vernetzen können. Im Sinne eines ersten Schrittes im Aufbau einer Caring Community. Seither wurden zahlreiche Events durchgeführt. Siehe unter Geschichte/Chronologie (zurzeit noch nicht aufgeschaltet).

Januar 2019: Dieter Achtnich, Mitglied des erweiterten Vorstands, führt einen Workshop durch, um der Caring Community zusätzlichen Schub zu verleihen. Es werden unzählige Ideen zusammengetragen. Mehrere Mitglieder erklären sich bereit, im Verein aktiver zu werden und Events zu organisieren. 

Herbst 2019: Mehrere dieser Ideen, die am Caring-Community-Workshop zusammengetragen wurden, werden ab Herbst 2019 umgesetzt. Siehe Caring-Community-Angebote.

Yes, We Care!

Auf dem Weg zur sich sorgenden Gemeinschaft: «Die einfache Sorge ist aller Dinge Anfang» (Albert Camus)

Sorgen im Sinne von Fürsorgen ist zu einem betulichen, altmodischen und vormodernen Begriff geworden, doch er gewinnt an neuer Aktualität mit der in unseren westlichen Gesellschaften fortschreitenden Individualisierung, dem Leben in Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung. Die Familie, der bis anhin bedeutungsvollste Sozial- und Pflegedienst unserer Gesellschaft, löst sich auf – und Originärstrukturen wie Partnerschaften sehen sich am Rande der Überforderung. 

Sorge oder Care muss zu einer Haltung und einer Kultur werden; der Kultur und Praxis der Aufmerksamkeit, der wechselseitigen Unterstützung, und der Hilfe. Eine sorgende Gemeinschaft, eine Caring Community, sorgt sich um das gute Leben, um den Anderen, den Lebenden, den Vulnerablen, um Sterbende und um Trauernde und um Werte und Spiritualität – in der Mitte der Gesellschaft. Eine Caring Community ist in dem Sinne auch auch eine Verantwortungsgemeinschaft.

Der Verein queerAltern hat sich zur Aufgabe gemacht, den Weg sorgender Gemeinschaften für queere Menschen anzubahnen und sorgende Netzwerke zu etablieren, um die Resilienz der Generation queerer Menschen zu stärken, welche zumindest ein Teil ihres Lebens in sichtbarer und selbstbestimmter Art  und Weise lebte.

Wenn wir von einer Caring Community sprechen, sprechen wir vom Aufbau von Sozialkapital, an dem sich generationenübergreifend jeder und jede beteiligen kann, jeder und jede Verantwortung übernimmt und übernehmen kann. Zentral ist dabei die Absichtslosigkeit der Beteiligten und dass alle Leistungen allseits auf Freiwilligkeit beruhen.

Der Verein versteht sich als eine Art Moderator für diesen zu gestaltenden Sozial-Raum, wird eine Art Regiefunktion übernehmen und Rahmenbedingungen schaffen, die es Menschen in einer Situation der Verletzlichkeit ermöglichen, ein gutes, selbständiges und selbstbestimmtes Leben zu führen. Wege anbahnen heisst – auch wenn jede/r für seine Biografie selbst verantwortlich ist – Freunde und Freundinnen frühzeitig aus ihrer Trance der Selbst- und Ich-Bezogenheit, aus Allmachtfantasien und Verdrängung zu lotsen und sie einzubinden für Zeiten der Verlangsamung, der Gebrechlichkeit und allfälliger Einsamkeit.

Konkret bedeutet dies, queerAltern schafft die Infrastruktur für Netzwerke, bündelt, koordiniert und verzahnt Angebot und Aktivitäten, entwickelt ein Sensorium für Bedarf und Bedürfnisse, engagiert sich für konkrete Hilfsangebote wie Besuche, Begleitung, Einkauf oder Haushalt.    

Was braucht es, damit eine Caring Community zum Funktionieren kommt?
Es braucht das gegenseitige Interesse aneinander und an den Unterschieden, Fehlerfreundlichkeit und Toleranz, denn es sind Menschen mit all ihren Unzulänglichkeiten, welche die Community ausmachen. Es braucht die Möglichkeit, etwas erzählen und etwas leisten zu können und Anerkennung zu bekommen. Und es braucht Barrierearmut und Niederschwelligkeit, Kümmerer, Treffpunkte und allenthalben qualifizierte ja sogar professionelle Unterstützung von Spitex, sozialen Diensten und anderer vergleichbarer Institutionen.

Sicherlich wird der Lebensort queerAltern ein Katalysator, Dreh- und Angelpunkt für die Caring Community sein. Doch sie muss weiter greifen. Erste Schritte sind getan, Netzwerke, wenn auch noch fragile, sind geschaffen, Menschen und Mitglieder engagieren sich uneigennützig und beseelt. Vermehrt noch wollen wir generationenübergreifend denken und handeln, denn altern beginnt früh im Leben! 

Text: Dieter Achtnich