FACTS & FIGURES

Beat Stirnemann, Paul Strahm , Caroline Bisang, Willa Cartwright (v.l.)

Jürg Nutz

Christiane Voth (l.), Monique Bircher

Ernst Buchmüller

queerAltern an der Zurich Pride 2019

Beatrice, Jürg

Facts & Figures

  • rund 350 Mitglieder, ca. 1/3 Frauen, 2/3 Männer
  • 6-köpfiger Vorstand bestehend aus Barbara Bosshard (Präsidentin), Christian Wapp (Vize-Präsident), Willi Leutenegger (Finanzen), Gioia Hofmann (Pflege und Caring Community), Caroline Bisang (Sekretariat), Patrik Attenhofer (Teamwork/Pride)
  • Erweiterter Vorstand mit Heidi Petri (Wissenschaftlicher Beirat) und Basil Spiess (Architektur)
  • 850 Empfänger Newsletter
  • Facebook mit 5'800 Abonnent*innen
  • Der Verein «queerAltern» (qA) ist Kooperationspartner der Stadt Zürich in der Umsetzung des von qA initiierten queeren Lebensortes «Espenhof – wir leben Vielfalt!»
  • rund 23'000.– Jahresbudget, stabile finanzielle Situation auf «kleiner Flamme»

Die queerAltern-Erfolgsgeschichte

«Espenhof – wir leben Vielfalt!»: Der erste queere Lebensort in der Schweiz wird 2025 in Zürich Realität – und zwar nach jahrelanger Vorarbeit von queerAltern. 2020 ist das Jahr des Durchbruchs: Die Stadt Zürich, bzw. das Umwelt- und Gesundheitsdepartement (GUD), verankert im neuen Leitbild «Altersstrategie 2035» Diversität und realisiert dazu als Erstes die Projektidee von queerAltern. In Kooperation mit SAW (Stiftung Alterswohnungen) und PZZ (Pflegezentren der Stadt Zürich) entstehen in Zürich-Albisrieden für ausschliesslich queere Menschen 26 Alterswohnungen (1 ½-Zimmerwohnungen bis 3 ½-Zimmerwohnungen), einem gemeinsam genutzten Gartenzimmer sowie drei Pflegewohngruppen mit insgesamt 23 Plätzen.

Rückblende: Übersicht Aktivitäten seit Vereinsgründung im Oktober 2014

Konstituierung und Organisation des Vereins

Mit bescheidenen Mitteln und der notwendigen Infrastruktur (EDV-Programme, Mailadressen etc.) gelingt es dem 5-köpfigen Vorstand und aktiven Mitgliedern die Aufgaben in freiwilliger Arbeit gut und effizient zu realisieren. Die wenigen Austritte aus dem Vorstand konnten über die Jahre jeweils rasch und unkompliziert durch engagierte Mitglieder ersetzt werden.

Bedarfsklärung

queerAltern war es von Anfang an ein grosses Anliegen, den Bedarf für Aktivitäten im Dienste einer queer alternden Community sorgfältig zu erfassen und damit eine solide Grundlage für unsere Arbeit zu schaffen. Um quantitative Daten zu erheben, haben wir 2012 eine Online-Umfrage und im Rahmen der Pride 2015 eine Fragebogen-Aktion durchgeführt (quantitative Daten).

Zusätzlich konnten wir anfangs Oktober 2014 mit rund 30 Personen aus der Community einen «Fokusgruppen-Dialog» führen, um die Vorhaben auch qualitativ zu erhärten.

Die hierbei gewonnenen Ergebnisse begleiten uns bei unserer Arbeit.

Kernaufgaben des Vereins

Zwei Kernaufgaben haben sich aus der Bedarfsabklärung herauskristallisiert:

  • Aufbau einer Caring Community queerAltern, eines tragenden Netzes für queere Menschen im Alter, für Vereinsmitglieder und Nicht-Mitglieder. In den ersten Tagen der Coronapandemie realisierten wir für unsere Mitglieder den Besuchsdienst im Rahmen der vom Bundesrat verordneten «bleibt-zu-Hause-Einschränkungen», die vor allem für Risikogruppen und Menschen über 65 Jahren verordnet wurden. Den Möglichkeiten entsprechend boten wir Einkaufsdienst und Telefongespräche an.
  • Umsetzung des Wohn- und Lebensangebots, des queeren Lebensortes in Zürich-Albisrieden als Teil des Quartieralltags mit
    • 26 altersgerechten Wohnungen in unterschiedlichen Grössen.
    • 2–3 Pflegewohngruppen für Menschen mit erhöhtem Pflegebedarf.
    • einem Gemeinschaftsraum ausschliesslich für die Bewohner*innen des queeren Hauses.
    • Unterstützung der Caring Community und von queerAltern der Belebung der Gemeinschaftsräume der gesamten Überbauung für alle Espenhof-Bewohner*innen und fürs gesamte Quartier, als verbindendes Element und Begegnungsort von «Espenhof – wir leben Vielfalt!» mit insgesamt 140 Wohnungen Quartier.

Stand der Projektumsetzungen

  • Caring Community – Entwicklung und Umsetzung konkreter Care-Praktiken

In den ersten Vereinsjahren wurde der Fokus einerseits auf die Sensibilisierung der queeren Community gelegt – u.a. durch eine intensive Präsenz auf Facebook und in diversen Medien, an queeren Events (u. a. «Zurich Pride») und öffentlichen, durchmischten Veranstaltungen (u.a. Filmprojektionen im Kino Xenix), Lesung mit Ralf König im Kosmos Forum, Konzert mit Irène Schweizer in der Helferei, Podiumsdiskussionen in Zusammenarbeit mit dem Pink-Apple-Filmfestival u.a.).

Andererseits wird mit wohlgezielten Veranstaltungen für Vereinsmitglieder und Interessierte das Netz durch soziale Anlässe gestärkt, die teilweise von Mitgliedern aus eigenem Bedürfnis und in Eigeninitiative angestossen werden (regelmässige Sonntagsbrunches, Jahresessen, Generalversammlung oder Wanderungen mit sozialisierendem Charakter).

Seit anfang 2019 wird das Netz der Caring Community fokussiert weiterentwickelt. Im Initialworkshop vom Januar 2019 wurden zusammen mit Mitgliedern und Interessierten konkrete und passende Care-Praktiken entworfen und deren Umsetzung im Alltag gezielt vorangetrieben.

An diesem Initialworkshop entstanden mehrere Gruppen, die im Laufe des Jahres 2019 Angebote für queerAlternde entwickelten (WhatsApp-Gruppen: Action, Tavolata, Plaudern; Stammtisch; Erzählcafé; Living Library: Begegnungen von Jung und Alt; Workshop queerAlternde helfen queerAlternden)

  • Lebensort queerAltern – rund 20 Projekte mit vertieften Studien
    Sehr viel Engagement und Energie wurde vom Vorstand und der Arbeitsgruppe «Investoren- und Immobiliensuche und –entwicklung» in die Suche nach geeigneten Entwicklungsgebieten in der Stadt Zürich, Objekten und Partnern für die Realisierung des Lebensorts queerAltern investiert.

Neben zahllosen formellen und informellen Interessensbekundungen wurden für rund 20 Projekte vertiefte Studien bis hin zur konkreten Ausarbeitung von Bauplänen erarbeitet.

Das Anliegen stiess jeweils auf Wohlwollen. Als es jedoch darum ging, konkret 20 bis 30 Wohnungen als Ensemble und zu bereits im Voraus dargelegten Möglichkeiten der Kostenmiete für den Lebensort queerAltern auszuscheiden, reagieren sowohl die grossen Baugenossenschaften wie auch Investoren mit grösster Zurückhaltung.

Um als glaubwürdiger und auch finanzstarker Partner gegenüber Immobilienträgern aufzutreten, konnte der Verein einen Letter of Intent mit der Spectren AG / Almacasa als unterstützende Betriebsgesellschaft unterzeichnen und entsprechende Betriebskonzepte ausarbeiten. Damit wurde die Verhandlungsstärke des Vereins signifikant erhöht.

Nachdem mit «Espenhof – wir leben Vielfalt!» unsere langjährige Arbeit konkretisiert werden kann und die PZZ den Betrieb von Pflegegruppen garantiert, wurde der Letter of Intent mit Spectren AG / Almacasa aufgelöst. Dieser kann jedoch jederzeit wieder erneuert werden.

Einige Beispiele konkreter Vorstösse

  • Evaluation einer Liegenschaft in der Manegg (Green City)
  • Hammerstrasse (Seefeld) und Schlotterbeck-Areal, mit Ledermann Immobilien (erste Abklärungen)
  • Sonnenberg, mit Stadt Zürich (Evaluation, keine Bewerbung)
  • Badenerstrasse (Altstätten), BVK (Projektstudie, unbinding Offer)
  • Thurgauerstrasse West, mit Liegenschaftenverwaltung Stadt Zürich
  • Zollhausstrasse, Kontakte und Vorabklärungen mit Genossenschaft Kalkbreite
  • Zwicky Süd, Evaluation von Mietflächen, Genossenschaft Kraftwerk 1
  • Areal Tiergarten mit Mobimo (Umnutzungsprojekt mit Projektstudie finanziert durch Spectren AG/Almacasa)
  • Koch-Quartier (Bewerbung bei Bauträgern Kraftwerk 1 und ABZ, Inputs zur Programmgestaltung)
  • SBB-Areale, Entwicklungsgebiet Neugasse (Workshop-Teilnahme und Positionierung der Anliegen)
  • Reformierte Kirche Zürich, Vorabklärungen bezüglich Potenziale gewisser Liegenschaften im Rahmen der Zusammenlegung 2019
  • Areal Stettbach mit Mobimo
  • «Wäldli», Stiftung Diakoniewerk Neumünster

Vernetzung und Best Practices

In verschiedensten grösseren Städten Europas wurden in den vergangenen Jahren Projekte sowohl zum Ausbau der queeren Caring Community als auch Lebensorte umgesetzt. Vorstandsmitglieder und Mitglieder der Arbeitsgruppen nahmen und nehmen an entsprechenden Veranstaltungen teil, tauschen vor Ort Erfahrungen mit Betreibern von entsprechenden Strukturen, um auf Erfahrungen sowohl beim Bau als auch beim Betrieb zurückgreifen zu können. Kontakte bestehen seit 2015 zu Partnern in Berlin, Köln, Wien.

Wissenschaftliche Abstützung: Der wissenschaftliche Beirat von queerAltern

Die Arbeit des Vereins wird sowohl bei der Umsetzung der Caring Community, als auch des Lebensortes queerAltern wissenschaftlich begleitet und beraten. Diesbezüglich pflegen wir den Kontakt zu Prof. Heidi Petry, Leiterin Zentrum Klinische Pflegewissenschaft USZ; zu Dr. David Garcia Nuñez, Lehrbeauftragter Philosophisch-Historische Fakultät Basel, Departement Gesellschaftswissenschaften, Fachbereich Gender Studies; zu Dr. Dana Mahr, Sozialwissenschaftlerin Universität Genf; Horst Rettke, Klinischer Pflegewissenschaftler und Mitarbeiter Nationales Forschungsprogramm «Gesundheitsversorgung» (NFP 74) an der Theologischen Fakultät der Universität Zürich; und Annette Güldenring, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, Oberärztin der Abteilung Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik am Westküstenklinikum in Heide – sie sind alle auch Mitglieder des Vereins.

Öffentlichkeitsarbeit

Der Verein konnte sich seit seiner Gründung eines grossen Presse-Echos erfreuen. Vieles ist auf unserer Website im Medien-Archivzu finden.

Der Facebook-Auftritt hat inzwischen mehr als 5'000 Followers.

Kontakte zu Politik und Verwaltung der Stadt Zürich

Seit 2016 hatten wir die Gelegenheit zu persönlichen Gesprächen mit Corine Mauch, André Odermatt und Vertreterinnen verschiedener Verwaltungsbereiche. Sie alle zeigen Wohlwollen, Interesse und sichern ihre Unterstützung der Vorhaben zu, auch und gerade im medialen Bereich.

Im Zusammenhang mit der gemeinderätlichen Debatte am 31.1.2019 zur Altersstrategie wurden wir als Verein erstmals politisch aktiv. Einerseits traten wir in der zweiten Hälfte 2018 in Kontakt mit dem neu gewählten Stadtrat Andreas Hauri, dessen Departement sowohl für die Alterszentren, als auch für die Stiftung Alterswohnungen zuständig ist. Andrerseits suchten wir im Hinblick auf die Debatte Ende Januar 2019 mit den verschiedenen Parteienvertreter*innen das Gespräch. Daraus resultierten vier mehrheitlich Parteien übergreifende Postulate von SP, Grüne, Grünliberale und FdP. Zudem machten wir uns am Tag der Debatte sichtbar. Rund 100 Menschen versammelten sich vor dem Rathaus und verteilten an die Politiker*innen unseren Flyer, der von den verschiedenen Organisationen mitunterzeichnet worden ist, mit unseren Forderungen (siehe Medienecho). In der Debatte vom 15. Januar 2020 wurden die Postulate mit grosser Mehrheit verabschiedet. Wiederum war queerAltern sichtbar anwesend. Und im Juli 2020 wurde an einer Medienkonferenz über den Durchbruch informiert, bzw. über die Realisierung von«Espenhof – wir leben Vielfalt!», in Zusammenarbeit mit queerAltern.

Kooperationen in der queeren Community

Wir verstehen uns als themen- und aufgabenspezifische Ergänzung in der queeren Community der Stadt und der Region Zürich. In dem Sinne sind sowohl der Verein queerAltern als auch seine Mitglieder in zahlreichen Partner-Organisationen Mitglied wie

  • HAZ (Homosexuelle Arbeitsgruppen Zürich)
  • LOS (Lesbenorganisation Schweiz)
  • Network und WyberNet
  • Pink Cross
  • TGNS (Transgender Network Switzerland)
  • Verein Regenbogenhaus

Aufgaben/Herausforderungen für die nächsten Jahre

  • Etablierung der Caring Community als fester Bestandteil des queeren Lebens in der Stadt Zürich.
  • Mitarbeit in diversen städtischen Arbeitsgruppen bei der Umsetzung von «Espenhof – wir leben Vielfalt!».
  • Mit verlässlichem Partner eine weitere Realisierung eines Lebensortes für queeres Altern anstreben.
  • Zusammenarbeit mit Politik und Behörden aufrechterhalten.
  • Mitgliederzahl weiter erhöhen und Generierung eines Finanzvolumen von Fr. 75'000.– für die Grundlagenarbeiten eines zweiten Lebensortes für queeres Altern.
  • Reichweite des Anliegens erhöhen (6’000 Facebook-Followers, Einladung zu Konferenzen als Keynote Speaker etc.), Präsenz an der Zurich Pride und weiteren Veranstaltungen sicherstellen.
  • Ausbildungsveranstaltungen im Bereich Pflege mitgestalten.
  • Mitglieder vermehrt einbinden und aktivieren.

queerAltern – Stand Mai 2021